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Risiko bei Diesel-Motoren: Zeitbombe Partikelfilter

press-inform / Herstellerbild Dieselpartikelfilter-System eines Audi

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Dieselpartikelfilter-System eines Audi

Die Vorteile eines drehmomentstarken Dieselmotors sind bekannt. Doch wie schaut es mit den Nachteilen aus? Der Partikelfilter birgt im Alter Risiken.

Noch bis vor wenigen Jahren galten Dieselfahrzeuge als kraftvolle Dauerläufer. Ob in der Stadt in Form von Taxis oder auf Autobahnen, gefahren von Außendienstlern und anderen Fernfahrern – der höhere Einstiegspreis in die Welt der Selbstzünder lohnte sich. Die einzigen ersichtlichen Nachteile neben dem Preis lagen in der erhöhten Lautstärke und dem Gestank, der es irgendwie und trotz Einmalhandschuhen nach jedem Tankvorgang ins Wageninnere geschafft hat. Der Gestank und die Preisdifferenz sind geblieben, doch zumindest in puncto Lautstärke haben sich die aktuellen Dieselmodelle auf das Benzinerniveau eingepegelt. Neueste Modelle wie zum Beispiel ein 313 PS starker Audi A6 3.0 TDI quattro oder ein 381 PS starker BMW M 550d xDrive bieten Fahrleistungen, die nur von einem wesentlich leistungsstärkeren Benziner erwidert werden können.

.Gefahr: Gigantische Drücke

Doch mit der steten Leistungs- und Drehmomentsteigerung geht auch eine Drucksteigerung einher. Denn je kräftiger der Kraftstoff in den Brennraum der Zylinder eingespritzt wird, desto besser verbrennt er. Lag der Einspritzdruck im Jahr 1999 noch bei 1400 bar, wird heute der Dieselkraftstoff mit 2500 bar zerstäubt. Das Resultat ist eine verkürzte Lebensdauer des Aggregats, da nur noch sehr wenige Werkstoffe solch hohe Drücke aushalten. Hinzu kommen Turbolader, die mit bis zu 290 000 Umdrehungen pro Minute dafür sorgen, dass die Leistung der Motoren noch weiter steigt.

Die Ingenieure moderner Selbstzünder befinden sich kurz vor dem Ende der technischen Möglichkeiten, was wiederum den einen oder anderen Hersteller schon heute dazu bewegt, sich von der Dieselantriebsentwicklung zurückzuziehen. Der japanische Automobilhersteller Toyota ist einer von ihnen. Anstatt selbst Geld in die Erforschung neuer Dieselaggregate zu stecken, werden diese bei BMW eingekauft. Gleichzeitig sinkt mit der zunehmenden Hybridisierung der Fahrzeugflotten der Verbrauchsvorteil eines Dieselfahrzeugs. Der zurzeit kleinste Hybrid auf dem Fahrzeugmarkt, der Toyota Yaris Hybrid, verbraucht mit 3,5 Litern Benzin 0,4 Liter weniger als die Dieselversion des gleichen Fahrzeugtyps. Die Hybrid-Anschaffungskosten liegen dabei mit gut 1000 Euro nur noch minimal höher als für den Selbstzünder.

Teure Partikelfilter

Neben dem einmaligen Anschaffungspreis schlagen seitens eines Dieselfahrzeugs nach einigen Jahren hohe Servicekosten zu Buche. Der seit dem Jahr 2000 auch in Deutschland übliche Dieselpartikelfilter ist einer dieser zusätzlichen Kostenfaktoren. Die Rußpartikel, die bei der Dieselverbrennung entstehen, enthalten Schwermetalle und andere Giftstoffe. Um die vorgeschriebenen Emissionsgrenzen einhalten zu können, werden diese Feinstaubpartikel aus den Motorabgasen gefiltert. Der Filter besteht aus einer wabenartigen Keramikstruktur, die mit Edelmetallen wie Platin von innen beschichtet ist. Hat sich der Filter mit Ruß zugesetzt, veranlasst die Motorsteuerung dessen Verbrennung. Das große Problem ist jedoch, dass die dabei entstehende Asche sich nicht verbrennen lässt und diese, abhängig vom Fahrverhalten und dem Fahrzeug, selbst nach 80 000 bis 200 000 Kilometern den Filter komplett zusetzt. Die Preisliste für einen neuen Filter beginnt je nach Fahrzeug bei knapp 1000 Euro. Im schlimmsten Fall kostet ein Austausch jedoch 3000 Euro und mehr.

Neuer Filter

Die einfachste Lösung ist dann natürlich die Fahrt in die nächste Werkstatt, um einen neuen Filter einbauen zu lassen – der kurzfristig gedacht teuerste, aber auch sicherste Weg. Denn wer sich günstige herstellerfremde Ersatzteile beschafft, kann auf lange Sicht teurer wegkommen. Zum einen fällt der Filterwirkungsgrad bei diesen No-Name-Produkten oft geringer aus. Zum anderen kann in vielen Fällen keine Kommunikation zwischen der Fahrzeugelektronik und dem verbauten Fremdbauteil stattfinden, weil es nicht erkannt wird. Das Resultat ist eine fehlende, regelmäßige Rußverbrennung und eine erneute Reparatur nach knapp 20 000 Kilometern.

Eine Filterreinigung verspricht da schon etwas längerfristigen Erfolg. Vor einer Reinigung sollte darauf geachtet werden, ob Zertifikate vorliegen, die die Effektivität und Umweltverträglichkeit ausweisen. Liegen diese vor, stehen mehrere Reinigungsverfahren zur Wahl. Bei der chemischen Reinigung werden Chemikalien für die Entfernung des Rußes eingesetzt. Besonders bei Fahrzeugen, die auf Grund ihrer Kurzstreckennutzung nur selten auf die Temperatur kommen, die für eine Rußverbrennung nötig wäre, bietet sich dieses Verfahren an. Allerdings bleiben diese Substanzen gegen die Asche im Filter wirkungslos.

Alten Filter reinigen

Eine weitere Form der Filterreinigung ist die thermisch-mechanische Reinigung. Die Partikelfilter werden bei dieser Art der Reinigung in einem Brennofen auf 600 Grad Celsius langsam erhitzt und langsam wieder abgekühlt. Dieser Vorgang entfernt den Ruß, ohne den Dieselpartikelfilter zu beschädigen. Ebenso kann mittels gekühltem Kohlendioxid und Druckluft die Asche entfernt werden. Die im Verhältnis zur Anschaffung eines Neubauteils rund die Hälfte kostende Reinigung dauert drei bis fünf Tage, da jeder Arbeitsschritt mehrmals am Tag durchlaufen werden muss.

Quelle: FOCUS Online
Autor: Marcel Sommer
Direktlink: Lebensdauer von Dieselmotoren
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